Das wiederkehrende Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören, ist ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erleben. Obwohl man sich in Gesellschaft befindet, kann sich eine tiefe Isolation breitmachen. Eine Psychologin beleuchtet dieses Gefühl der Fremdheit und gibt Ratschläge, wie man es erkennen, verstehen und liebevoll damit umgehen kann, um letztendlich ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln.
In sozialen Situationen wie einer Feier, auf der man nur den Gastgeber kennt, oder dem ersten Tag in einem bereits etablierten Team kann sich schnell das Gefühl einschleichen, ein Außenseiter zu sein. Idealerweise verflüchtigt sich dieses Unbehagen nach einem angenehmen Gespräch oder einer erfolgreichen Einarbeitung, und man fühlt sich integriert. Doch was, wenn dieses Gefühl der Fremdheit ein ständiger Begleiter im Leben ist und in verschiedenen Situationen immer wieder auftaucht? Da der Wunsch nach Verbundenheit ein grundlegendes menschliches Bedürfnis ist, kann dieser Zustand sehr belastend sein. Expertin Mirriam Prieß betont, wie wichtig es ist, diesen Gefühlen auf den Grund zu gehen.
Der erste Schritt zur Bewältigung dieses Gefühls besteht darin, es zuzulassen und zu hinterfragen. Prieß rät dazu, sich in solchen Momenten zu fragen: "Was genau empfinde ich? Was fehlt mir konkret, um das Gefühl der Zugehörigkeit zu empfinden? Liegt die Ursache bei mir selbst oder bei der anderen Person, die mich möglicherweise nicht in ihrer Mitte haben möchte?" Nicht immer ist die Wahrnehmung, ausgegrenzt zu werden, auf tatsächliche Ablehnung zurückzuführen. Manchmal ist dieses Gefühl ein inneres Signal.
Es kann darauf hinweisen, dass man den Kontakt zu sich selbst verloren hat und eine innere Fremdheit verspürt. Dies kann als liebevolle Aufforderung verstanden werden, die Beziehung zu sich selbst zu pflegen und zu erforschen: Was fühle ich wirklich, und was benötige ich in diesem Moment? Des Weiteren können frühere Erfahrungen des Ausgeschlossenseins, beispielsweise aus der Schulzeit oder im familiären Umfeld, die aktuelle Wahrnehmung und das eigene Verhalten maßgeblich beeinflussen. "Es ist möglich, dass ich mich aufgrund einer unverarbeiteten Erfahrung zurückziehe und anderen gar keine Chance gebe, eine Verbindung zu mir aufzubauen", erklärt Prieß. "Ich projiziere dann meine alten Erfahrungen auf mein Gegenüber und reproduziere sie so unbewusst immer wieder." Wenn solche prägenden Außenseitererfahrungen eine Rolle spielen, empfiehlt Prieß, professionelle therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Manchmal kann das Gefühl des "Nicht-Dazugehörens" auch eine unerwartete Botschaft enthalten: Es könnte bedeuten, dass man gar keine tiefe Verbindung zu der betreffenden Person oder Gruppe aufbauen möchte. Dies ist oft der Fall, wenn man sich in einem Freundeskreis bewegt, dessen Werte und Interessen stark von den eigenen abweichen oder in dem man sich nicht ausreichend beachtet fühlt. Wichtig ist es, die Ursachen dieses Gefühls zu ergründen. Wenn es gelingt, die Hintergründe der Fremdheit zu benennen, so Mirriam Prieß, eröffnet sich die Möglichkeit, dieses Gefühl sowohl innerlich als auch im Austausch mit anderen zu regulieren.
