Den engen Raum meistern: Ihr Weg zur angstfreien MRT-Untersuchung
Die weit verbreitete Sorge vor der MRT-Röhre
Selbst Menschen ohne eine diagnostizierte Angststörung fühlen sich in einem Magnetresonanztomographen (MRT) oft unwohl. Der Psychologe André Wannemüller, der an der Ruhr-Universität Bochum ein Forschungsprojekt zur Überwindung dieser Angst leitete, erklärt, dass dies hauptsächlich auf das Gefühl des Kontrollverlusts und des Ausgeliefertseins zurückzuführen ist.
Wenn Ängste die Untersuchung erschweren: Klaustrophobie und Agoraphobie
Für Patienten, die an spezifischen Angststörungen leiden, stellt eine bevorstehende MRT-Untersuchung eine noch größere Hürde dar. Bei Klaustrophobie dominiert die Angst vor engen, geschlossenen Umgebungen wie Fahrstühlen oder eben MRT-Röhren. Agoraphobie-Patienten hingegen befürchten Kontrollverlust in Situationen, aus denen sie sich nicht einfach befreien können, was zu Panikattacken oder anderen unangenehmen körperlichen Reaktionen führen könnte.
Professionelle Unterstützung suchen: Kognitive Verhaltenstherapie als Lösung
Wenn die Angst vor einer MRT-Untersuchung überhandnimmt, rät André Wannemüller dazu, psychotherapeutische Unterstützung im Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie in Anspruch zu nehmen. Ziel ist es, mit professioneller Begleitung effektive Bewältigungsmechanismen zu erlernen und deren Anwendung in angstauslösenden Situationen zu trainieren.
Den Ängsten begegnen: Simulationen und schrittweises Vorgehen
Ein vielversprechender Ansatz zur Überwindung von Ängsten ist das schrittweise Konfrontieren mit den gefürchteten Situationen. Wannemüller und sein Team haben an der Fakultät für Psychologie eine MRT-Simulation entwickelt, die Patienten die Möglichkeit bietet, die Untersuchungsumgebung unter kontrollierten Bedingungen zu „üben“. Dieses Vorgehen ermöglicht dem Gehirn, neue Erfahrungen zu sammeln und die vermeintliche Gefahr als unbegründet zu erkennen, wodurch die Angst allmählich nachlässt. Da nicht jeder Zugang zu solchen Simulationen hat, ist es entscheidend, einen individuellen Plan mit einem Therapeuten zu entwickeln.
Vermeidbare Strategien: Was wirklich nicht hilft
Einige häufig angewandte Methoden erweisen sich als wenig hilfreich und können die Angst sogar verstärken. Das bloße Herunterzählen von Sekunden in der Röhre, das „Augen schließen und Zähne zusammenbeißen“, mag zwar die Untersuchung überstehen lassen, festigt aber das Gefühl, die Situation nur mit Mühe ertragen zu haben. Das Vertrauen auf Glücksbringer vermittelt eine trügerische Sicherheit und verhindert, dass die eigentliche Angstquelle angegangen wird, da positive Ergebnisse dann fälschlicherweise dem Glücksbringer zugeschrieben werden. Auch das Verwenden von Ohrstöpseln oder Kopfhörern gegen die lauten Geräusche im MRT kann kontraproduktiv sein, da die eingeschränkte Nutzung aller Sinne das Gefühl der Bedrohung verstärken kann.
