Gesundheitswesen

Hülsenfrüchte und Soja: Natürliche Blutdrucksenker?

May 08, 2026

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im 'British Medical Journal Nutrition Prevention & Health', beleuchtet das vielversprechende Potenzial von Soja und Hülsenfrüchten zur Senkung des Bluthochdruckrisikos. Forscher norwegischer Institutionen und des Imperial College London haben in einer umfassenden Analyse festgestellt, dass der regelmäßige Konsum dieser Lebensmittel mit einer deutlichen Risikoreduktion einhergehen könnte. Diese Erkenntnisse könnten weitreichende Auswirkungen auf die Ernährungsberatung und Präventionsstrategien im Bereich der Herz-Kreislauf-Gesundheit haben.

Die Untersuchung baut auf bereits vorhandenem Wissen über die positiven Effekte von Soja und Hülsenfrüchten auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auf, konzentriert sich jedoch explizit auf den bisher weniger erforschten Zusammenhang mit dem Bluthochdruckrisiko. Um diese Forschungslücke zu schließen, wurden Daten aus zwölf Studien mit insgesamt über 300.000 Probanden ausgewertet. Die Teilnehmer stammten aus verschiedenen Regionen, darunter die USA, Asien, Frankreich und Großbritannien, was die Robustheit der Ergebnisse untermauert.

Die Resultate der Analyse sind bemerkenswert: Personen, die reichlich Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen oder Kichererbsen zu sich nahmen, wiesen ein um 15 Prozent geringeres Risiko auf, Bluthochdruck zu entwickeln, im Vergleich zu jenen, die wenig davon konsumierten. Bei Sojaprodukten wie Tofu, Tempeh oder Sojamilch zeigte sich ein ähnliches Muster, mit einem um 19 Prozent niedrigeren Hypertonie-Risiko bei hohem Verzehr.

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler optimale Verzehrmengen für die präventive Wirkung ermitteln. Für Hülsenfrüchte wurde eine lineare Risikoreduktion bis zu einer Menge von 170 Gramm täglich festgestellt, wobei 'mehr' in diesem Bereich 'besser' bedeutet. Bei Sojaprodukten lag der maximale Nutzen bei einer täglichen Aufnahme von 60 bis 80 Gramm, was zu einer beeindruckenden Risikoverringerung von 28 bis 29 Prozent führte.

Die Forscher begründen diese positiven Effekte mit dem hohen Gehalt an Kalium, Magnesium und Ballaststoffen in Hülsenfrüchten und Soja. Diese Nährstoffe sind bekanntermaßen entscheidend für die Blutdruckregulation und tragen zur allgemeinen Herzgesundheit bei. Der Wissenschaftler Sumantra Ray vom 'BMJ Nutrition Prevention & Health' hob hervor, dass diese Studie die Argumente für pflanzliche Ernährungsweisen als zentrale Strategie zur Reduzierung der weltweiten Hypertonie-Belastung erheblich stärkt.

Obwohl die Studie methodisch fundiert ist, betonen Experten wie Markus van der Giet von der Deutschen Hochdruckliga, dass ein direkter kausaler Zusammenhang nicht vollständig bewiesen werden kann. Es sei möglich, dass Personen, die viele Hülsenfrüchte und Sojaprodukte essen, generell einen gesünderen Lebensstil pflegen. Nichtsdestotrotz ist die Botschaft klar: Soja und Hülsenfrüchte sind sowohl in der Therapie als auch in der Vorbeugung von Bluthochdruck von Vorteil. Heribert Schunkert von der Deutschen Herzstiftung stimmt der Plausibilität eines kausalen Zusammenhangs zu, weist jedoch darauf hin, dass Faktoren wie Körpergewicht, ein starker Faktor für Bluthochdruck, noch genauer untersucht werden müssen.

Angesichts der Tatsache, dass der durchschnittliche Verzehr von Hülsenfrüchten in Europa mit 8 bis 15 Gramm pro Tag weit unter den empfohlenen Mengen von 65 bis 100 Gramm für die Herz-Kreislauf-Gesundheit liegt, unterstreicht diese Studie die Notwendigkeit, diese wertvollen Lebensmittel stärker in den täglichen Speiseplan zu integrieren.

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