Eine aktuelle Studie hebt hervor, dass der Einfluss indirekter Treibhausgase auf den Klimawandel bisher unterschätzt wurde. Diese Gase, die in vielen Klimamodellen keine Berücksichtigung finden, haben zwischen 1750 und 2019 zu einer Erwärmung von etwa 0,28 Grad Celsius beigetragen. Dies entspricht einem beträchtlichen Anteil von etwa 15 Prozent der gesamten globalen Erwärmung in diesem Zeitfenster. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, ein umfassenderes Verständnis aller klimarelevanten Emissionen zu entwickeln, um effektive Strategien gegen den fortschreitenden Klimawandel zu formulieren.
Während die Aufmerksamkeit oft auf direkte Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO₂) und Methan gerichtet ist, zeigen die Erkenntnisse von Forschern um Ilissa Ocko von Spark Climate Solutions, dass indirekte Treibhausgase wie Stickoxide, nicht-methanische flüchtige organische Verbindungen (Nicht-Methan-VOC), Kohlenmonoxid und Wasserstoff ebenfalls eine signifikante Rolle spielen. Diese Substanzen verursachen zwar nicht direkt eine Erwärmung, beeinflussen jedoch die Atmosphäre so, dass die Konzentrationen anderer Treibhausgase steigen oder ihre Verweildauer verlängert wird. Die bodennahe Ozonbildung durch chemische Reaktionen, an der indirekte Treibhausgase beteiligt sind, ist ein prominentes Beispiel. Obwohl Ozon in der Stratosphäre schädliche UV-Strahlung blockiert, wirkt es in niedrigeren Schichten als potentes Treibhausgas. Zudem verlängern diese Gase die Verweildauer von Methan in der Atmosphäre, indem sie die Verfügbarkeit von Hydroxyl-Radikalen (OH) reduzieren, die Methan abbauen.
Die Forschungsgruppe hat detailliert berechnet, welchen Beitrag die einzelnen indirekten Treibhausgase zur globalen Erwärmung leisten. Kohlenmonoxid und Nicht-Methan-VOC tragen demnach 0,11 Grad zur Erderwärmung durch Ozonbildung bei. Stickoxide sind für weitere 0,07 Grad verantwortlich. Die Verlängerung der Methanverweilzeit durch Kohlenmonoxid und Nicht-Methan-VOC wird auf 0,09 Grad geschätzt, während die Bildung von CO₂ weitere 0,05 Grad ausmacht. Lediglich Stickoxide haben eine leicht kühlende Wirkung, die jedoch den Gesamteffekt nicht aufwiegt. Diese kumulativen Effekte führen zu dem ermittelten Gesamtwert von 0,28 Grad Celsius, der indirekten Treibhausgasen zuzuschreiben ist. Steven Hamburg vom Environmental Defense Fund betont, dass eine effektive Verlangsamung der Erwärmung nur gelingen kann, wenn alle relevanten Emissionsquellen berücksichtigt werden. Für Wasserstoff fehlen derzeit noch ausreichende Daten, um seinen konkreten Einfluss zu quantifizieren, was weitere Forschung erfordert.
Die umfassende Betrachtung aller Emissionen, einschließlich der indirekten Treibhausgase, ist unerlässlich, um die Komplexität des Klimawandels vollständig zu erfassen und wirksame Minderungsstrategien zu entwickeln. Die Untersuchung von Ilissa Ocko und ihrem Team liefert wichtige Grundlagen für eine präzisere Klimamodellierung und zeigt auf, welche Bereiche zukünftiger Forschung Priorität haben sollten. Es ist entscheidend, nicht nur die direkten Verursacher der Erwärmung im Blick zu haben, sondern auch jene Substanzen, die durch komplexe atmosphärische Prozesse den Treibhauseffekt verstärken.
