Gesundheitswesen

Kinder mit Typ-1-Diabetes: Auf Zöliakie achten

Apr 09, 2026

Nach der Diagnose Typ-1-Diabetes bei einem Kind ist es für Familien zunächst eine Herausforderung, den Umgang mit der neuen Situation zu erlernen, einschließlich Blutzuckermessung und Insulinmanagement. Doch die Möglichkeit einer zusätzlichen Diagnose, insbesondere Zöliakie, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Diese Autoimmunerkrankung, die sich durch eine Glutenunverträglichkeit auszeichnet, ist bei Menschen mit Typ-1-Diabetes überdurchschnittlich häufig. Für Eltern ist es wichtig, sich dieser Verbindung bewusst zu sein und proaktiv eine Abklärung in die Wege zu leiten, um die Gesundheit ihres Kindes umfassend zu schützen und möglichen Komplikationen vorzubeugen.

Die Organisation DiabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe weist darauf hin, dass Typ-1-Diabetes oft mit weiteren Autoimmunerkrankungen einhergehen kann. Bei einer Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem irrtümlicherweise gesunde Körperzellen, -gewebe oder -organe an. Zöliakie ist ein prägnantes Beispiel hierfür. Während etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung von dieser Glutenunverträglichkeit betroffen ist, liegt die Prävalenz unter Typ-1-Diabetikern bei drei bis sechs Prozent.

Bei der Zöliakie reagiert das körpereigene Abwehrsystem auf Gluten, ein Klebereiweiß, das in Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Dinkel enthalten ist. Diese Reaktion führt zur Bildung von Antikörpern, die die Schleimhaut des Dünndarms attackieren. Die Kombination aus Zöliakie und Diabetes ist besonders problematisch, da die geschädigte Darmschleimhaut die Aufnahme von Kohlenhydraten und anderen essenziellen Nährstoffen beeinträchtigen kann. Prof. Andreas Neu, Kinderdiabetologe am Univers führt aus, dass dies Unterzuckerungen und Mangelerscheinungen begünstigen kann.

Um eine Zöliakie bei Kindern mit Diabetes rechtzeitig zu erkennen, sollten Eltern aktiv werden. Obwohl Leitlinien eine Untersuchung auf Zöliakie bei neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes vorsehen, wird dies in der Praxis nicht überall konsequent umgesetzt. Eltern sollten daher beim Arztbesuch gezielt nachfragen. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss geben, in manchen Fällen ist eine zusätzliche Gewebeentnahme aus dem Dünndarm notwendig.

Die Symptome einer Zöliakie bei Typ-1-Diabetikern können oft subtil und unspezifisch sein, was die Erkennung erschwert. Klassische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall treten nicht immer auf. Anzeichen wie anhaltende Müdigkeit, Leistungsabfall oder unerklärliche Gewichtsveränderungen können jedoch auf eine Zöliakie hindeuten und sollten von Eltern ernst genommen werden. Bei einer bestätigten Diagnose ist eine lebenslange, konsequente glutenfreie Ernährung unerlässlich. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass glutenfreie Produkte unterschiedliche Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben können, weshalb eine Anpassung der Kohlenhydratberechnung und Insulindosis erforderlich ist.

Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der frühzeitigen Erkennung und dem Management von Zöliakie bei ihren Kindern, die bereits an Typ-1-Diabetes leiden. Durch Aufmerksamkeit für unspezifische Symptome und proaktive Kommunikation mit Ärzten kann eine Doppeldiagnose zeitnah gestellt werden, was für die langfristige Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder von großer Bedeutung ist. Eine angepasste Ernährung und medizinische Begleitung helfen, das Beste aus dieser komplexen Situation zu machen.

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