Manchmal empfindet man, obwohl man von Menschen umgeben ist, ein tiefes Gefühl der Fremdheit und Abgrenzung. Die Psychologin und Therapeutin Mirriam Prieß beleuchtet in ihren Ausführungen die tiefere Bedeutung dieser Emotion und gibt Ratschläge, wie man auf wohlwollende Weise mit sich selbst umgehen kann. Sie betont die Notwendigkeit, der Ursache dieses Gefühls auf den Grund zu gehen.
Das Gefühl der Isolation: Eine psychologische Betrachtung
Am 4. Mai 2026, um 00:05 Uhr, wurde ein Artikel veröffentlicht, der sich mit dem weit verbreiteten Gefühl auseinandersetzt, nicht wirklich dazuzugehören. Dieses Gefühl kann in verschiedenen Lebenslagen auftreten, sei es auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung, wo man nur wenige Bekannte hat, oder am ersten Arbeitstag in einem bereits fest etablierten Team. Die anfängliche Beklemmung verschwindet oft nach einem angenehmen Austausch oder einer gelungenen Eingliederung. Doch was, wenn dieses Empfinden der Außenseiterrolle zu einem ständigen Begleiter wird und in unterschiedlichsten Situationen immer wieder aufkommt? Eine solche dauerhafte Isolation kann sich als erhebliche psychische Belastung erweisen, da das Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit ein grundlegender menschlicher Wunsch ist.
Um diesem Gefühl entgegenzuwirken, schlägt die Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß vor, sich zunächst intensiv mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. In Momenten, in denen das Gefühl der Fremdheit aufkommt, sollte man sich selbst fragen: „Was genau empfinde ich in diesem Moment? Was fehlt mir konkret, um mich zugehörig zu fühlen? Liegt die Ursache dieses Gefühls in mir selbst oder in der Haltung anderer mir gegenüber?“ Es ist wichtig zu erkennen, dass der Auslöser für das Gefühl der Entfremdung nicht immer von außen kommen muss. Manchmal signalisiert dieses Gefühl eine innere Distanz zu sich selbst. Es kann ein liebevoller Aufruf zur Selbstreflexion sein, um herauszufinden, welche Bedürfnisse gerade unerfüllt bleiben und wie man die Beziehung zu sich selbst stärken kann.
Darüber hinaus können frühere Erfahrungen, wie zum Beispiel Mobbing in der Schulzeit oder familiäre Ausgrenzung, unsere Wahrnehmung der Gegenwart und unser Verhalten prägen. Diese unverarbeiteten Erlebnisse können dazu führen, dass wir uns unbewusst zurückziehen und anderen keine Chance geben, uns kennenzulernen. In solchen Fällen projizieren wir alte Erfahrungen auf neue Situationen und reproduzieren so immer wieder das Gefühl des „Nicht-Dazugehörens“. Wenn diese Außenseiter-Erfahrungen eine prägende Rolle in der eigenen Biografie spielen, empfiehlt Prieß, professionelle therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um diese tief sitzenden Muster aufzuarbeiten.
Ein weiterer, überraschender Aspekt des Gefühls, nicht dazuzugehören, ist dessen mögliche Funktion als Warnsignal. Es kann darauf hindeuten, dass wir uns in einer Umgebung oder mit Personen befinden, mit denen wir eigentlich keine tiefere Verbindung eingehen möchten. Dies kann der Fall sein, wenn man sich in einem Freundeskreis bewegt, dessen Werte oder Interessen nicht mit den eigenen übereinstimmen, oder wenn das Interesse an der eigenen Person von der Gruppe nicht den eigenen Erwartungen entspricht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es entscheidend ist, den wahren Kern hinter dem Gefühl der Fremdheit zu ergründen. Sobald man in der Lage ist, die zugrundeliegenden Ursachen in Worte zu fassen, eröffnet sich die Möglichkeit, dieses Gefühl sowohl innerlich als auch im Dialog mit anderen zu regulieren und somit ein tieferes Verständnis für sich selbst und seine soziale Umwelt zu entwickeln.
Das Gefühl des „Nicht-Dazugehörens“ ist komplex und vielschichtig. Es erfordert eine aufmerksame Selbstbeobachtung und die Bereitschaft, sowohl innere als auch äußere Faktoren zu hinterfragen. Mirriam Prieß’ Ansatz, das Gefühl als Botschaft zu verstehen, ermutigt dazu, proaktiv mit diesen Emotionen umzugehen. Ob es sich um alte Wunden handelt, die geheilt werden müssen, oder um eine Neuorientierung im sozialen Umfeld – die Auseinandersetzung mit diesem Gefühl ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der eigenen Identität und zur Förderung authentischer Beziehungen.
