Sonnenschutzmittel sind für den Schutz unserer Haut vor schädlicher UV-Strahlung unerlässlich. Doch die Inhaltsstoffe dieser Produkte, insbesondere die enthaltenen UV-Filter, können eine erhebliche Belastung für die Umwelt darstellen. Insbesondere beim Baden in Gewässern gelangen Bestandteile der Sonnencreme direkt in die Natur. Dieser Artikel befasst sich mit den Umweltauswirkungen verschiedener UV-Filter und bietet Anleitungen, wie Konsumenten umweltbewusste Entscheidungen beim Kauf und der Anwendung von Sonnenschutzmitteln treffen können, um die Belastung für Ökosysteme zu minimieren.
Laut Luise Körner, Expertin für Chemikalienpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), können Inhaltsstoffe aus Sonnencremes, die beim Baden ins Wasser gelangen, negative Folgen haben. Häufig enthalten Sonnenschutzmittel Mikroplastik oder flüssige Kunststoffe, die in der Umwelt nur schwer abgebaut werden und sich in Gewässern, Böden sowie Organismen anreichern. Eine weitere wichtige Rolle spielen die UV-Filter selbst, die unsere Haut vor Sonnenbrand und Zellschäden schützen. In der Europäischen Union sind 32 solcher Filter zugelassen.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Haupttypen von UV-Filtern: chemischen und mineralischen. Chemische Filter dringen in die Haut ein und wandeln UV-Strahlen in Wärme um. Mineralische Filter hingegen verbleiben auf der Hautoberfläche und reflektieren das Licht. Umweltorganisationen konzentrieren sich besonders auf bestimmte chemische UV-Filter, da diese im Verdacht stehen, Korallen und anderen Wasserlebewesen zu schaden. Es wird vermutet, dass sie eine hormonähnliche Wirkung haben können. Mineralische Filter wie Titandioxid und Zinkoxid gelten im Allgemeinen als umweltfreundlichere Alternative.
Die Stiftung Warentest weist jedoch darauf hin, dass die aktuelle Datenlage bezüglich der Umwelteigenschaften einzelner UV-Filter oft unzureichend ist, um wissenschaftlich fundierte Aussagen zu treffen. Wer sich für mineralische Sonnencremes entscheidet, sollte beachten, dass diese einen weißlichen Film auf der Haut hinterlassen können. Um dies zu vermeiden, verwenden einige Hersteller mineralische UV-Filter in Nano-Größe. Die Umweltauswirkungen dieser winzigen Partikel sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Daher empfiehlt Luise Körner, Produkte zu wählen, bei denen der Begriff „nano“ nicht in der Inhaltsstoffliste auftaucht. Die „ToxFox“-App des BUND kann helfen, hormonell wirksame Substanzen oder Nanopartikel in Sonnencremes zu identifizieren, indem sie den Barcode scannt und entsprechende Warnungen ausgibt, beispielsweise bei Cremes, die den chemischen UV-Filter DHHB (Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate) enthalten, der mit hormonell wirksamen Weichmachern verunreinigt sein kann.
Unabhängig von der Art der Sonnencreme ist es entscheidend, darauf zu achten, dass möglichst wenig davon in die Umwelt gelangt. Anstatt direkt nach dem Eincremen ins Wasser zu springen, sollte man die Sonnencreme gut einziehen lassen. Cremes und Sticks sind gegenüber Sprays zu bevorzugen, da bei letzteren bereits beim Auftragen ein Teil des Produkts in die Umwelt gelangen kann. Eine weitere Möglichkeit, die Umwelt zu schonen und gleichzeitig die Haut zu schützen, ist das Tragen von UV-Schutzkleidung und das Meiden der prallen Mittagssonne. Das Abduschen nach dem Baden sollte idealerweise zu Hause und nicht direkt am Badegewässer erfolgen.
Der Begriff „korallenfreundlich“ bei Sonnencremes ist rechtlich nicht geschützt. Er weist meist darauf hin, dass auf chemische UV-Filter wie Oxybenzon oder Octinoxat verzichtet wurde, die als hormonell wirksame Schadstoffe bekannt sind. Trotzdem rät Luise Körner zu einer kritischen Prüfung der Inhaltsstoffe, da solche Produkte immer noch andere hormonelle Schadstoffe, Mikroplastik oder flüssige Kunststoffe enthalten können. Ein bewusster Umgang und die Wahl umweltfreundlicher Produkte sind essenziell, um die Natur zu schützen.
