Nachhaltigkeit

Sprache neu denken: Inklusion im Bildungsbereich durch "Sieben Tage Mo"

May 13, 2026

Die Gesellschaft wird zunehmend inklusiver, und ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist der bewusste Umgang mit Sprache. Besonders im Bildungsbereich ist es entscheidend, eine Umgebung zu schaffen, die alle Lernenden wertschätzt und Diskriminierung aktiv entgegenwirkt. Oliver Scherz's Werk „Sieben Tage Mo“ bietet hierfür einen ausgezeichneten Ausgangspunkt. Es ermöglicht eine tiefgehende Auseinandersetzung mit ableistischer Sprache und den Barrieren, denen Menschen mit Behinderung im Alltag begegnen. Durch die Reflektion eigener Sprachmuster und das Erlernen alternativer Ausdrucksweisen können Schülerinnen und Schüler lernen, diskriminierende Begriffe zu erkennen und durch neutrale Formulierungen zu ersetzen, um so ein respektvolles und inklusives Miteinander zu fördern.

Inklusion im Fokus: Ein neues Bewusstsein für Sprache im Bildungsalltag

Am 13. Mai 2026 wurde ein wegweisender Ansatz für mehr Sprachsensibilität und Inklusion im Schulalltag vorgestellt, der auf Oliver Scherz's bekanntem Buch „Sieben Tage Mo“ basiert. Diese Initiative zielt darauf ab, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung durch sogenannte ableistische Sprache zu thematisieren und abzubauen. Ableismus, abgeleitet vom englischen „to be able“ (fähig sein), bezeichnet die Abwertung und Marginalisierung von Menschen aufgrund ihrer körperlichen oder psychischen Fähigkeiten. In diesem Kontext werden Betroffene oft auf ihre Einschränkungen reduziert, was ihre soziale Teilhabe erheblich erschwert.

Die vorgeschlagene Unterrichtseinheit macht eine präzise Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen von Behinderungen, darunter körperliche, sensorische, geistige, psychische, Lern- und Sprachbehinderungen. Aktuelle Statistiken aus dem Jahr 2024 belegen, dass etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung eine Behinderung aufweisen, wobei 3,3 Prozent bereits von Geburt an betroffen sind. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit, sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen und inklusive Bildungsangebote zu schaffen.

Ein zentraler Bestandteil des Unterrichtskonzepts ist die Auseinandersetzung mit Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit. Es wird hervorgehoben, dass eine Beeinträchtigung erst dann zur Behinderung wird, wenn sie auf gesellschaftliche Barrieren trifft. Um dies zu verdeutlichen, werden visuelle Beispiele herangezogen, die die Unterschiede zwischen diesen beiden Konzepten illustrieren. Darüber hinaus werden die Lernenden aufgefordert, die Situation an ihrer eigenen Schule zu analysieren: Wie viele Mitschülerinnen und Mitschüler leben mit einer Behinderung? Und inwieweit wird an ihrer Einrichtung Chancengerechtigkeit praktiziert?

Das Arbeitsblatt fördert eine kritische Sprachreflexion, insbesondere im Hinblick auf das Adjektiv „behindert“, das in der Jugendsprache oft gedankenlos und abwertend verwendet wird. Vielen ist nicht bewusst, welche Verletzungen dies bei den Betroffenen hervorrufen kann. Die Lektüre von „Sieben Tage Mo“ soll dazu beitragen, den Blick für eine inklusiv ausgerichtete Gesellschaft zu schärfen und eine positive oder neutrale Sprache in mündlichen und schriftlichen Äußerungen zu etablieren. Dies ist besonders relevant für die Charakterisierung von Figuren und die Vermeidung von Floskeln, die Ableismus verstärken.

Der Unterrichtsentwurf schlägt konkrete Übungen vor, um abfällige Begriffe wie „Du Krüppel!“ oder „Bist du behindert?“ zu erkennen und durch alternative, respektvolle Formulierungen zu ersetzen. Statt „Bist du blind?“ könnten Fragen wie „Hast du das wirklich nicht gesehen?“ verwendet werden. Auch die Vermeidung euphemistischer Beschreibungen, die Menschen mit Behinderung auf übertrieben positive Eigenschaften reduzieren (z.B. „besonders lieb“ bei Trisomie 21), wird thematisiert, da dies ebenfalls eine Form von Ableismus darstellt. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie Menschen mit Trisomie 21 respektvoll beschreiben können, ohne stereotype Zuschreibungen zu verwenden.

Ein herunterladbarer Unterrichtsentwurf zu „Sieben Tage Mo“ steht zur Verfügung und bietet Lehrkräften detaillierte Anleitungen und Materialien. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eines von fünf Büchern für den eigenen Unterricht zu gewinnen, um die Thematik direkt in die Klassenzimmer zu tragen und eine nachhaltige Veränderung im Sprachgebrauch anzustoßen.

Die Auseinandersetzung mit ableistischer Sprache und die Förderung von Inklusion sind entscheidende Schritte auf dem Weg zu einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft. Oliver Scherz's Buch "Sieben Tage Mo" bietet eine wertvolle Plattform, um diese Themen im Klassenzimmer anzusprechen und bei jungen Menschen ein Bewusstsein für die Macht der Sprache zu schaffen. Indem wir lernen, unsere Worte mit Bedacht zu wählen und diskriminierende Muster zu erkennen, können wir aktiv dazu beitragen, Barrieren abzubauen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder Mensch – unabhängig von seinen Fähigkeiten – wertgeschätzt und zugehörig fühlt. Diese Bildungsinitiative geht über den reinen Wissenserwerb hinaus; sie formt empathische und verantwortungsbewusste Bürger, die in der Lage sind, eine wirklich inklusive Welt mitzugestalten.

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