Natur

Tierschutz in Not: Deutscher Tierschutzbund verklagt Bundesregierung

May 28, 2026

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, schlägt Alarm: Die deutschen Tierheime stehen am Abgrund. Er kritisiert scharf die Bundesregierung und wirft ihr vor, den Tierschutz im Stich zu lassen. Angesichts der prekären Situation, in der viele Tierheime ums Überleben kämpfen, hat der Tierschutzbund beschlossen, rechtliche Schritte einzuleiten. Schröder fordert dringend benötigte Investitionshilfen und eine Neuausrichtung der politischen Prioritäten, um den Kollaps der Einrichtungen abzuwenden und das Wohl der Tiere langfristig zu sichern.

Tierschutzbundes Präsident Schröder kritisiert mangelnde Unterstützung und kündigt Klage an

In einem Interview am 28. Mai 2026 äußerte sich Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, besorgt über die finanziell angespannte Situation der Tierheime in Deutschland. Er beklagte, dass die Politik die Tierschutzorganisationen im Stich lasse, obwohl die Tierheime vor Ort von den Bürgern geschätzt und geliebt würden. Schröder führte aus, dass die Kommunen ihre gesetzliche Pflicht zur Unterbringung von Fundtieren auf die Tierheime abwälzten und sich dabei „billig“ aus der Verantwortung zögen. Dies führe dazu, dass den Tierheimen Rücklagen für notwendige Investitionen, wie zum Beispiel größere und modernere Gehege, fehlten.

Die Lage habe sich so zugespitzt, dass Schröder bereits von einem „Kollaps“ der Tierheime sprach. Vielerorts gebe es Wartelisten für Tiere, die aus unterschiedlichsten Gründen – etwa dem Tod von Haltern oder finanzieller Überforderung – abgegeben werden müssten, aber nicht mehr aufgenommen werden könnten. Die Kernaufgabe der Tierheime, die staatliche Unterbringung von Tieren, könne nur noch durch das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Helfer und zusätzliche Spendengelder aufrechterhalten werden.

Angesichts dieser dramatischen Entwicklung kündigte Schröder eine Klage gegen die Bundesregierung an. Er kritisierte, dass zugesicherte Investitionshilfen im Koalitionsvertrag nicht im aktuellen Haushalt berücksichtigt wurden, während gleichzeitig eine Milliarde Euro für Sportstätten bereitgestellt werde. Schröder verwies darauf, dass der Tierschutz im Grundgesetz als Staatsziel verankert sei, der Sport jedoch nicht. Er forderte eine Neupriorisierung der Mittel und nannte den Wegfall der Luftverkehrssteuer, die 350 Millionen Euro Einnahmen gekostet habe, als Beispiel für verfehlte Politik. Die Klage sei juristisches Neuland, da die Bedeutung des Staatsziels Tierschutz im Kontext von Investitionshilfen noch nie gerichtlich geprüft worden sei. Dennoch zeigte sich Schröder hoffnungsvoll und drängte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, die Dringlichkeit der Situation zu erkennen und die Tierheime mit einem dreistelligen Millionenbetrag zu unterstützen. Dieses Geld werde benötigt, um Kranken- und Quarantänestationen zu bauen, Freilaufgehege zu schaffen und alte Gebäude, wie ehemalige Schweineställe in Ostdeutschland, energetisch zu sanieren. Der Präsident betonte, dass die Tierheime mit immer mehr Tieren konfrontiert seien, die immer länger blieben und einen immer höheren Betreuungsaufwand erforderten.

Schröder räumte ein, dass die Zunahme der abgegebenen Tiere seit der Coronapandemie auch ein Problem sei, das durch die Tierhalter selbst verursacht werde. Er appellierte an alle, die ein Tier anschaffen wollen, sich gut zu informieren und verantwortungsbewusst zu handeln. Gleichzeitig forderte er den Bund auf, den Tierschutz durch Ordnungsrecht zu entlasten. Als Beispiele nannte er einen verpflichtenden Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung und eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen, um die Zahl der ausgesetzten Tiere zu reduzieren. Er betonte die brenzlige Lage der Tierheime, in denen oft Arbeitsschutzvorschriften nicht eingehalten werden könnten und gesetzlich vorgeschriebene Sozialräume fehlten. Schröder schloss mit dem Appell, dass jeder, der den Tierschutz wertschätze, die Ernsthaftigkeit der Situation begreifen müsse.

Die anhaltende Krise der deutschen Tierheime wirft ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit einer umfassenden Überprüfung der staatlichen Verantwortung für den Tierschutz. Die Ankündigung der Klage durch den Deutschen Tierschutzbund unterstreicht die Dringlichkeit, die Tierheime nicht länger als bloße Auffangstationen zu betrachten, sondern als unverzichtbare Einrichtungen, die eine angemessene finanzielle und rechtliche Unterstützung verdienen. Diese Situation ist ein Weckruf an die Politik, das Staatsziel Tierschutz ernst zu nehmen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, die über Lippenbekenntnisse hinausgehen. Die Gesellschaft ist aufgefordert, über den individuellen Tierbesitz hinaus, eine kollektive Verantwortung für das Wohlergehen aller Tiere zu übernehmen und sich für nachhaltige Lösungen einzusetzen, die den Tierheimen eine langfristige Perspektive bieten. Nur durch ein gemeinsames Engagement von Bürgern, Kommunen und Bund kann der Kollaps abgewendet und ein würdiges Leben für alle Tiere in Deutschland gewährleistet werden.

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