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Wandern im Bergischen Land: Entdeckungsreisen entlang der Talsperren

May 23, 2026

Das Bergische Land, eine Region östlich von Köln, zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Dichte an Talsperren aus. Diese Gewässer, eingebettet in eine Landschaft aus Wäldern und Hügeln, bieten nicht nur eine malerische Kulisse, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle für die Trinkwasserversorgung und den Hochwasserschutz. Wanderer und Naturliebhaber finden hier ein Paradies, in dem sie die Ruhe und Schönheit der Natur abseits des städtischen Trubels genießen können. Die Große Dhünn-Talsperre ist dabei ein zentrales Element dieser Landschaft, das durch seine Funktion als Trinkwasserspeicher besondere Schutzmaßnahmen genießt.

Das Gewässerparadies des Bergischen Landes

Die Bergische Region ist bekannt für ihre beeindruckende Ansammlung von Stauseen, ein Phänomen, das europaweit seinesgleichen sucht. Wanderer, die sich auf den steilen Anstieg zum Aussichtspunkt bei Mittelberg begeben, werden mit einem weiten Blick über die fjordartigen Buchten der Großen Dhünn-Talsperre belohnt. Dieses Gewässer, umgeben von dichten Buchen- und Fichtenwäldern, ist mit einem Volumen von 81 Millionen Kubikmetern und einer Fläche von 4,4 Quadratkilometern Deutschlands zweitgrößter Trinkwasserspeicher. Naturführer wie Karin Wedde-Mühlhausen leiten Besucher auf Touren zwischen sechs und zwölf Kilometern Länge durch diese einzigartige Landschaft. Im Gegensatz zu anderen Talsperren wie der Bever- oder Brucher-Talsperre, wo Wassersport und Schwimmen erlaubt sind, ist die Große Dhünn-Talsperre ausschließlich der Trinkwasserversorgung gewidmet, wodurch Wassersport hier untersagt ist. Die Wege um den See herum sind jedoch ein beliebtes Ziel für Wanderer.

Die hohe Konzentration an Talsperren in dieser Gegend ist auf die geografischen Bedingungen zurückzuführen: Nordwestwinde treiben Regenwolken aus den Niederlanden gegen die Bergischen Hügel, wo sie ihre Feuchtigkeit entladen. Dies führt zu einem erhöhten Niederschlag, der optimale Bedingungen für die Anlage von Wasserreservoirs schafft. Die erste Talsperre der Region, die Remscheider Eschbach-Talsperre, wurde bereits 1891 in Betrieb genommen. Die Große Dhünn-Talsperre ist neueren Datums, ihr Bau begann 1975, und sie wurde 1988 in Betrieb genommen. Für den Bau mussten einst Bauernhöfe und Mühlen weichen, deren Bewohner umgesiedelt wurden. Rund um die Talsperre gibt es eine 100 Meter breite Schutzzone, die nicht betreten werden darf. Lediglich die Dämme der Vorsperren und der 400 Meter lange Hauptdamm bei Wermelskirchen-Lindscheid sind öffentlich zugänglich und bieten beeindruckende Einblicke in die Ingenieurskunst.

Naturerlebnis und Naturschutz rund um die Talsperren

Ein Besuch im Informationszentrum Aqualon bietet tiefere Einblicke in die Bedeutung der Trinkwassertalsperre und die Arbeit des Wupperverbands, der sich dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung des Wassers widmet. Das Zentrum klärt jährlich etwa 6.000 Besucher über die Geschichte, Funktion und Ökologie der Talsperren auf und zeigt Modelle sowie Videos der lokalen Fauna und Flora. Die Vogelwelt rund um die Talsperren ist besonders reichhaltig, mit über 80 brütenden Arten, darunter seltene Exemplare wie Schwarzstörche und Eisvögel. Auch andere Wildtiere wie Rehe und Wildschweine sind in den ruhigen Buchten der Großen Dhünn-Talsperre zu beobachten, wo sie ungestört ihren natürlichen Lebensraum finden.

Die Wälder in der Umgebung der Talsperren befinden sich in einem stetigen Wandel. Früher dominierten Nadelbäume, doch nach Borkenkäferbefall werden die Bestände zunehmend durch Laubbäume wie Eichen, Linden und Hainbuchen ersetzt. Für ambitionierte Wanderer bietet sich die Möglichkeit, die gesamte Große Dhünn-Talsperre zu umrunden, eine Strecke von rund 42 Kilometern, die in zwei Tagen bewältigt werden kann. Zahlreiche kürzere Rundwege starten von den zehn Wanderparkplätzen. Ein weiteres beliebtes Ziel ist die Neye-Talsperre bei Hückeswagen mit einem elf Kilometer langen Rundweg über den Staudamm. Wer die belebtere Atmosphäre bevorzugt, findet an der Bever-Talsperre Badestellen, Campingplätze und Wassersportmöglichkeiten, die an Sommertagen Tausende von Besuchern anziehen und einen lebhaften Kontrast zur ruhigen Großen Dhünn-Talsperre bilden, wo nur die Tiere im Wasser planschen.

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