Oliver Scherz' Jugendroman „Sieben Tage Mo“ bietet eine tiefgründige und humorvolle Perspektive auf das Leben mit einem geistig behinderten Geschwisterkind. Das Buch zielt darauf ab, in Schulklassen der 4. bis 6. Jahrgangsstufe das Verständnis für Inklusion und sprachliche Sensibilität zu stärken. Es erzählt die Geschichte aus der Sicht des Zwillingsbruders Karl und beleuchtet die komplexen Gefühle, die das Zusammenleben mit Mo, der eine geistige Behinderung hat, mit sich bringt. Die Erzählung, die sich über neun Tage erstreckt, ist reich an emotionalen Höhen und Tiefen, aber auch an schönen und lustigen Momenten, die das Band zwischen den Brüdern hervorheben.
Die Handlung beginnt, als die Familie aufs Land zieht, in der Hoffnung, Mos Leben zu vereinfachen. Dies führt jedoch dazu, dass Karl eine größere Verantwortung für seinen Bruder übernehmen muss – eine Belastung, die seine Eltern, eine im Krankenhaus tätige Mutter und ein im Ausland arbeitender Vater, zunächst nicht vollständig erfassen. Karls innere Zerrissenheit reicht von dem Wunsch, keinen Bruder zu haben, bis hin zu tiefer Dankbarkeit für Mos Anwesenheit in seinem Leben. Die Situation eskaliert, als Karl sich in Nida verliebt und ein geplantes Treffen durch seine Verantwortung für Mo gefährdet wird. Als er Mo für ein Treffen mit Nida allein lässt, nimmt die Geschichte eine entscheidende Wendung, die Karl dazu befähigt, seine Gefühle auszudrücken und eine notwendige Veränderung innerhalb seiner Familie anzustoßen.
Oliver Scherz' erzählerischer Stil zeichnet sich durch seine Nähe zu den Figuren aus und lockert die ernste Thematik mit Humor und fantasievollen Wortkreationen auf. Philipp Waechters Schwarz-Weiß-Illustrationen ergänzen die Geschichte perfekt, indem sie die Emotionen der Szenen visuell verstärken und den Leser tiefer in die Welt der Figuren eintauchen lassen. Darüber hinaus bietet das Buch Anknüpfungspunkte für Diskussionen über diskriminierungssensibles Verhalten, insbesondere durch die Darstellung von Karls Freund Hannes und der Nachbarin Frau Schlüter im Umgang mit Mos Behinderung.
Dieses Werk ist nicht nur eine fesselnde Lektüre für junge Leser ab 10 Jahren, sondern auch ein wertvolles pädagogisches Instrument. Es ermöglicht es Lehrkräften, wichtige Gespräche über Empathie, Verantwortung und die Akzeptanz von Vielfalt in der Klasse anzustoßen. Die umfassenden Begleitmaterialien und Vorschläge zur Integration in den Unterricht, die auf der Website des Verlags verfügbar sind, unterstützen eine effektive pädagogische Nutzung. "Sieben Tage Mo" fördert ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen, mit denen Familien mit behinderten Kindern konfrontiert sind, und stärkt gleichzeitig die Bedeutung von Inklusion und gegenseitigem Respekt in der Gesellschaft.
Das Buch "Sieben Tage Mo" von Oliver Scherz stellt somit eine exzellente Ressource dar, um in der Bildungsarbeit ein Bewusstsein für Inklusion und gesellschaftliche Verantwortung zu schaffen. Die Erzählung, die in einem Taschenbuchformat mit 144 Seiten von Ernst Klett Sprachen veröffentlicht wurde, ist für Kinder der vierten bis sechsten Klasse konzipiert und bietet eine Mischung aus Freude und Herausforderung.
