Die thailändische Küstenlinie, einst von dichten Mangrovenwäldern gesäumt, sieht sich einer wachsenden Bedrohung durch die Erosion des Meeres ausgesetzt. Über Jahrzehnte hinweg wurden weite Flächen dieser natürlichen Schutzwälle für Garnelenzuchten und Meersalzgewinnung gerodet, was die Küsten schutzlos machte. Doch nun kehrt sich der Trend um: Gemeinden und Umweltschützer engagieren sich aktiv für die Wiederansiedlung und Pflege dieser unschätzbaren Ökosysteme. Dies ist eine entscheidende Maßnahme, um die Küstenlandschaft vor den Auswirkungen des Klimawandels und dem steigenden Meeresspiegel zu bewahren.
Die Situation an Thailands Küsten hat sich dramatisch verschärft. Das Meer erobert Land, stellenweise bis zu fünf Kilometer jährlich, und zwingt ganze Dörfer zur Umsiedlung ins Landesinnere. Diese Entwicklung ist eine direkte Folge der umfangreichen Abholzung von Mangroven, die von den 1960er bis in die 1980er Jahre hinein stattfand und ein Drittel der wertvollen, salzwasserresistenten Bäume vernichtete. Einst bildeten diese Wälder eine natürliche Barriere gegen die Wucht der Wellen und hielten den Boden stabil.
In Bang Kaeo, einer Region in der Provinz Samut Songkhram, wo viele der etwa 60.000 Einwohner von Garnelenzucht und Salzgewinnung leben, wurden die Auswirkungen der Umweltzerstörung besonders spürbar. Angesichts des steigenden Meeresspiegels und der akuten Bedrohung durch Überschwemmungen haben die Bewohner Eigeninitiative ergriffen. Sie errichteten einen fünf Kilometer langen Bambuszaun im Meer. Diese Konstruktion dient dazu, die Energie der Wellen zu dämpfen und Sedimente am Ufer zu halten, was ideale Bedingungen für die Ansiedlung und das Wachstum neuer Mangroven schafft.
Diese Bemühungen zeigten rasch Erfolg: Der Mangrovenwald erholte sich, und mit ihm kehrte eine reiche Tierwelt, darunter Fischotter, Austern, Garnelen und verschiedene Fischarten, zurück. Die unmittelbaren Vorteile für die lokale Gemeinschaft haben dazu geführt, dass die Bewohner nun mit großem Enthusiasmus die nachhaltige Pflege des bestehenden 6,4 Hektar großen Mangrovenwaldes betreiben.
Obwohl auch staatliche Stellen, wie das "Department of Marine and Coastal Resources", Aufforstungsprojekte durchführen, sind diese nicht immer erfolgreich. Oft werden Setzlinge in ungeeignete Küstenabschnitte gepflanzt, wo sie nicht gedeihen können. Martin Zimmer, Professor für Mangrovenökologie am Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung, kritisiert, dass bei solchen Aktionen öfter die mediale Wirkung im Vordergrund stehe als die tatsächliche Effektivität. Ein weiteres Problem sind die Monokulturen, bei denen nur eine Baumart gepflanzt wird. Diese sind weniger stabil und artenreich als die natürlichen Mangrovenwälder Thailands, die ursprünglich aus bis zu 80 Pflanzenarten bestanden. Erfolgreiche Ansätze, wie die der "Mangrove Nature School" in Bang Kaeo, lehren die Bedeutung der natürlichen Regeneration, bei der Samen unter kontrollierten Bedingungen selbstständig keimen können, wodurch Setzlinge überflüssig werden. Die Gemeinschaft in Bang Kaeo arbeitet aktiv mit und freut sich auch über die Unterstützung von Hotelketten, die nicht nur Aufforstungsprojekte durchführen, sondern auch den Strand von Müll befreien, auch wenn ihre früheren Pflanzversuche in unvorbereiteten Gebieten weitgehend scheiterten.
