Professor Johannes Vogel, Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums, gibt in einem Videointerview Einblicke in die Welt der klimafesten Gärten. Er beleuchtet, wie naturnahe Oasen nicht nur die Artenvielfalt fördern, sondern auch das Mikroklima positiv beeinflussen. Im Gegensatz dazu warnt er eindringlich vor den gesundheitlichen Risiken, die von versiegelten Flächen wie Schottergärten ausgehen. Dieser Artikel befasst sich mit den Prinzipien nachhaltiger Gartengestaltung und ihren weitreichenden Auswirkungen auf unsere Umwelt und unser Wohlbefinden.
Interview mit Biologe Johannes Vogel: Die Gefahren von Schottergärten und der Wert naturnaher Gestaltung
Am 15. Mai 2026 beleuchtete Professor Johannes Vogel, Generaldirektor des Naturkundemuseums in Berlin, in einem aufschlussreichen Videointerview die entscheidende Rolle klimafester und naturnaher Gärten. Er betonte, dass diese grünen Rückzugsorte, die sich durch robuste, standortgerechte Pflanzen, lebendige Böden und minimierte Versiegelung auszeichnen, nicht nur die Artenvielfalt schützen, sondern auch die Umgebung kühlen und als CO₂-Speicher dienen. Im Gegensatz dazu stellte er die negativen Auswirkungen von versiegelten Flächen wie Pflastersteinen und Schotterwegen auf unser Mikroklima und damit auf unsere Gesundheit heraus.
Vogel definierte klimafestes Gärtnern als eine Anpassung des Gartens an Herausforderungen wie Hitze und Starkregen. Hierbei sei die Wahl widerstandsfähiger, lokaler Pflanzen entscheidend. Humorreicher Boden, so erklärte er, könne Wasser effizient speichern und CO₂ binden. Mulch und Kompost sind dabei unverzichtbare Helfer, um Humus aufzubauende und den Boden kühl und feucht zu halten. Der Verzicht auf Torf schützt wertvolle Moore als Kohlenstoffsenken, während die Reduzierung synthetischer Dünger den Energieverbrauch und Lachgasemissionen minimiert. Das Sammeln von Regenwasser und sparsames Gießen tragen zusätzlich dazu bei, Trinkwasser zu sparen und tiefwurzelnde, widerstandsfähige Pflanzen zu fördern.
Als konkretes Beispiel nannte er Mischbeete mit heimischen Stauden, die durch eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Laub und Regenwasserbewässerung Hitzesommer deutlich besser überstehen als kurzgeschnittene Rasenflächen mit exotischen Pflanzen in Schotterbeeten.
Ein naturnaher Garten, so Vogel weiter, sei ein gestaltetes, aber lebendiges Ökosystem, das mit der Natur zusammenarbeitet, anstatt gegen sie. Hier darf sich der Garten selbst entwickeln, wobei der Mensch eher moderiert als kontrolliert. Vielfalt statt Monokultur, heimische Arten, die ganzjährig Nahrung und Struktur bieten, und das Zulassen natürlicher Dynamiken wie Blattfall oder Selbstaussaat sind Kernaspekte. Eingriffe erfolgen lediglich zur Sicherstellung der Gartennutzung.
Zu den wesentlichen Elementen eines naturnahen Gartens gehören heimische Wildpflanzen, vielfältige Strukturen wie Hecken, Steinmauern und Wasserstellen sowie Nist- und Rückzugsorte. Natürliche Materialien wie Holz, Naturstein und Sand ergänzen dieses Bild.
Abschließend hob Vogel praktische Maßnahmen für den Klimaschutz in urbanen und ländlichen Gebieten hervor: Eine vielfältige Struktur aus Bäumen, Stauden, Wiesen und Steinhaufen schafft stabile Ökosysteme. Blumenwiesen sind hitzeresistenter, speichern mehr Wasser und bieten Insekten Nahrung. Dach-, Hof- und Fassadenbegrünungen verbessern die Luftqualität, kühlen Gebäude und entlasten die Kanalisation. Die Reduzierung versiegelter Flächen ermöglicht dem Boden schließlich, besser zu „atmen“. Jeder Quadratmeter klimafester Begrünung, so betonte Vogel, speichert rund 19,6 Kilogramm Kohlenstoff und leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Gesundheit und unseres Klimas.
Die Erkenntnisse von Professor Vogel unterstreichen die dringende Notwendigkeit eines Umdenkens in der Gartengestaltung. Es ist nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern eine Investition in unsere Zukunft und Gesundheit. Indem wir uns für naturnahe, klimafeste Gärten entscheiden, tragen wir aktiv zum Schutz der Artenvielfalt, zur Verbesserung des lokalen Klimas und zur Förderung unseres eigenen Wohlbefindens bei. Jeder Garten, egal wie klein, kann zu einem wichtigen Baustein im Kampf gegen den Klimawandel werden. Es liegt an uns allen, diese Chance zu nutzen und unsere Umgebung in lebendige, widerstandsfähige Ökosysteme zu verwandeln.
